Was ist mit der Verschiebung der Sternzeichen?

Ein sehr häufiges, gängigen und alle Jahre wiederkehrendes Thema ist, dass sich die Sternbilder verschoben hätten. Um dieses hinter dieser These stehende Problem zu erklären, möchte ich etwas ausholen und würde mich freuen, wenn Sie diesen Gedankenweg mit mir gehen.

Es gibt Sternbilder. Das sind 88 an der Zahl und dazu zählen zum Beispiel der Große Bär, der Orion und der Löwe. Sternbilder bezeichnen Ausschnitte des Himmels und sie sind benannt nach Gruppen von Sternen. Diese Gruppen von Sternen können zu Bildern verbunden werden, ungefähr so wie das "Malen nach Zahlen". Benannt sind diese Sternbilder nach  mythologischen Figuren der Griechen.
Sternbilder sind Bilder aus Sternen.

(Der Große Waagen aus Wikipedia.org)

 

 

Weiterhin gibt es Tierkreiszeichen. Der sogenannte Tierkreis ist ein Messkreis, also genau genommen ein 360°-Kreis, der in 12 gleich große Abschnitte, den Tierkreiszeichen, eingeteilt ist. Dieser Messkreis entspricht genau der Ekliptik. Der Beginn ist der sogenannte Frühlingspunkt. Dieser Frühlingspunkt ist der Schnittpunkt der Ekliptik mit dem Himmelsäquator und zwar an der Stelle, wo die Ekliptik den Äquator in nördlicher Richtung überquert. Wenn die Sonne an diesem Punkt der Ekliptik steht, dann ist der 21.März und die Tag-und-Nachtgleiche. An diesem Punkt beginnt die Zählung mit 0°, genauer gesagt mit 0°Widder. Der Tierkreis ist nach den Tierkreiszeichen benannt, obwohl es sich gar nicht nur um Tiere handelt. Die Namen der Tierkreiszeichen sind Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische. Die Namen sind den Sternbildern entlehnt, die sich vor ca. 2000 Jahren an der entsprechenden Stelle befanden.

Zur Wikipediaseite "Ekliptik"
(Grafik aus Wikipedia.org)

 

 

Nun stimmen die Tierkreiszeichen nicht mehr mit den Sternbildern überein. Der Grund dafür ist die sogenannte Präzession, einer Torgelbewegung der Erde um ihre Eigene Achse. Die Erde hat bekanntlich eine Neigung (von 23,5°). Innerhalb von 26.000 Jahren kreiselt diese Neigung einmal um sich selbst, so wie ein Spielkreisel, der langsam taumelt. Wegen dieser sehr langsamen Taumelbewegung wandert der Frühlingspunkt (rückwärts) durch die Sternbilder auf der Ekliptik. In diesem Sinne steht der Frühlingspunkt bald im Sternbild Wassermann. Wer sich intensiver mit der Präzession beschäftigen möchte, der kann dies zum Beispiel bei Wikipedia studieren.
(wikipedia.org...)

Kreiseln der Erdachse
(Animation aus Wikipedia.org)

. . . weiter

       

Die Astrologie orientiert sich nach der Sonne, genauer gesagt nach dem Stand der Sonne und nach den Jahreszeiten. Die Jahreszeiten sind der bedeutendste Spiegel der Rhythmen im Leben. Nicht umsonst sind die Geburtstage und das Alter so wichtig, hier werden Sonnenjahre gezählt. Auch in unserer Kalenderrechnung hat das Jahr, also der genaue Umlauf um 360°, die höchste Ordnung (über den Monat und Tag). Deshalb sind den Astrologen die Sternbilder für Ihre Deutung nicht wichtig, sondern die Tierkreiszeichen.

 

Das Irritierende ist zum Einen, dass die Tierkreiszeichen nach den Sternbildern benannt sind, diese aber nicht mehr deckungsgleich sind. Zum Anderen wird sehr gerne die Bezeichnung Sternzeichen benutzt, welches Sternbilder und Tierkreiszeichen unangemessener Weise miteinander vermischt.

 

Für AstrologInnen ergibt sich also überhaupt kein Widerspruch und die Verschiebung, also die Präzession als Argument gegen die Astrologie nutzen zu wollen macht überhaupt keinen Sinn.

       

zur Übersicht astrologischer
Texte, Gedichte, Zitate und Vorträge

zur Startseite